Text sehr gross darstellen Text gross darstellen Text normal darstellen
Home   |   Kontakt   |   Sitemap   |   Shop   |   Suche   |   Help   |   Newsletter   |    DE   |   FR   |   
Bekenntnisse | Reformierte Bekenntnisse | RB 6: Die Illanzer Schlussreden

Tagcloud
Übersicht
Gesamte Themenliste

ref-credo.ch

RB 6: Die Illanzer Schlussreden

In altem Deutsch
  1. Die christenlich Kirch ist aus dem wort Gottes geboren, im selben sol sy beleyben und nitt hö­ren die stimm aines anderen.
     
  2. Die Kirch Christi machet nit gesatz one Gottes wort, sonder sye höret, was der gemahel Chri­stus gesetzt unnd geboten hat, sye wäre sunst vil niderer denn die jüdisch synagog.
  3. Aus disem volgt, das die Orenbeicht unnd ir gleychen, so man nennet Kirchengebott, nit weytter bindend, denn sy im götlichen wort gegründt unnd gebotten seind.
  4. Alles, so vom Fegfeür bishar geleert, ist von Gott nit kommen.
  5. Ee verbieten und speysen, die Got geschaffen hat, seynd gebot deren, die vom glauben abge­tretten seind und aus eingebung der teüflen.
  6. Welcher empfindt, das er die gab der raynigkayt von Gott nit hatt, der mag unnd sol sich ver­eelichen, wölches stadts er sye.
  7. Bylder machen zuo vereerung, ist wider Gottes wort neus unnd alts Testaments.
  8. Alle menschengebot und satzung, die die gewißne fahend, seynd unnütz, abzethun und gantz hinwegzenemen, denn sy ain vergeblicher gottesdienst seynd.
     
  9. Die Bischöff soellend selbs predigen, nit weltlich schwaerdt regieren, nit grosse gueter besit­zen, sunder zymliche narung honn und ob den schaffen Christi mit dem wort Gotes wachen.
  10. Die Gaystlich genanten, was stadts die seyen, söllendt dem weltlichenn gewalt unnderthon seyn in zeytlichen dingen.
  11. Christus Jesus ist ain ainiger des neuen Testaments Obrester Priester, der ewig laebenndig bleybt, darumb er kaynes ersetzens darff.
  12. Diser Obrester Priester ist unser ainiger mitler zwyschen Gott dem vatter und uns, seinen gloeubigen. Deshalb alle andere mittler und fürsprechen aussert dysem zeyt von unns one grund hailiger geschrifft auffgeworffen seind.
  13. Diser unser Obrester Priester hatt ain ainig ewig waerennd opfer. Deshalb alle anndere Sünd­opfer auffgeheppt und dises ainest geopferet von seiner volkommenhait wegen nit gewidret werden mag von kainem menschen.
     
  14. Die Maeß, darinn man Christum Gott, dem vatter, für die sünd der labendigen und todten auff­opferte, ist der hayligen gschrifft wider und dem allerhayligsten leydenn Christi ain lesterung.
  15. Die Mass ist dem hayligen Evangelio und gantzem neuwen Testament unbekant, aber durch verenderung der Dancksagung (Eucharistiae) in ain opfer erst von neuwem erfunden.
  16. Das Christus waesenlich, wie er zuo der gerechten Gottes, des vaters, sitzet oder am stammen des Creützes gehanget ist, im brot der Dancksagung sey, ist ain irrthumb und mag mit hayliger geschrifft nit bewisen werden.
  17. Des Herren Abenntmal inn gedaechtnus unnd Dancksagung des leydens Christi nach seiner rechtenn einsetzung mit dem christenlichenn Bann seind hingenommen und die erdicht Opfer­maeß an die statt gesetzt.
     
  18. Welcher antwurt haben wil vom zaehenden, wellend wir uns auch nit wideren.
     
  19. Gott sey preyss und Eer in ewigkayt,
  20. Amen.

In gegenwärtigem Deutsch

  1. Die christliche Kirche ist aus dem Wort Gottes geboren. In diesem soll sie bleiben und nicht auf die Stimme eines anderen hören.
  2. Die Kirche Christi macht kein Gesetz ohne Gottes Wort, sondern sie hört, was Christus, ihr Ehemann, ihr gesetzt und geboten hat, andernfalls stünde sie um vieles niedriger als die jüdi­sche Synagoge.
  3. Daraus folgt, dass die Ohrenbeichte und dergleichen, was man die Kirchengebote nennt, nicht weiter bindend sind, ausser sie sind im göttlichen Wort gegründet und von ihm geboten.
  4. Nichts, was bisher über das Fegefeuer gelehrt wurde, ist von Gott ausgegangen.
  5. Die Ehe sowie Speisen zu verbieten, die Gott geschaffen hat, sind Verbote derer, die vom Glau­ben abgefallen sind, und eine Eingebung von Teufeln.
  6. Wer das Gefühl hat, dass er die Gabe der Enthaltsamkeit von Gott nicht erhalten hat, der mag und soll sich verheiraten, welchen Standes er auch sei.
  7. Bilder herzustellen, um ihnen Ehre zu erweisen, ist wider das Wort Gottes im Alten und Neuen Testament.
  8. Alle Gebote und Satzungen von Menschen, die das Gewissen an sich binden, sind nutzlos, ab­zutun und vollständig zu tilgen, denn sie sind ein vergeblicher Gottesdienst.
     
  9. Bischöfe sollen selbst predigen, keine politische Macht ausüben, keine grossen Güter besitzen, sondern angemessene Einkünfte haben und für die Herde Christi mit dem Wort Gottes sorgen.
  10. Geistliche, welchen Standes sie auch seien, sollen in zeitlichen Angelegenheiten der weltlichen Macht unterstellt sein.
  11. Jesus, der Christus, ist im Neuen Testament der einzige Hohe Priester, der ewig lebendig bleibt und daher keines Ersatzes bedarf.
  12. Dieser Hohe Priester ist für uns der einzige Mittler zwischen Gott, dem Vater, und uns, seinen Gläubigen. Deshalb sind alle anderen Mittler und Fürsprecher ausser diesem von uns und ohne Begründung in der heiligen Schrift aufgebracht worden.
  13. Unser Hohe Priester hat ein einziges und ewig währendes Opfer dargebracht. Deshalb sind alle anderen Sündopfer aufgehoben und kann dieses ein für alle Mal Geopferte seiner Vollkommen­heit wegen von keinem Menschen zurückgewiesen werden.
     
  14. Die Messe, in der man Christus wegen der Sünden der Lebendigen und der Toten Gott, dem Vater, als Opfer darbringt, ist wider die heilige Schrift und eine Lästerung gegenüber dem al­lerheiligsten Leiden Christi.
  15. Die Messe ist dem heiligen Evangelium und dem ganzen Neuen Testament unbekannt, sondern als Abänderung von der Danksagung zum Messopfer völlig neu erfunden worden.
  16. Dass Christus, wie er zur Rechten Gottes, des Vaters sitzt oder am Stamm des Kreuzes gehan­gen ist, im Brot der Danksagung anwesend sein soll, ist ein Irrtum und kann mit der heiligen Schrift nicht nachgewiesen werden.
  17. Das Abendmahl des Herrn als ein Gedenken an und eine Danksagung für das Leiden Christi ist nach seiner rechtmässigen Einsetzung mit dem Bann belegt und durch das erdichtete Messopfer ersetzt worden.
     
  18. Wer eine Antwort über den Zehnten haben will, dem werden wir nicht entgegenstehen.
     
  19. Gott sei Preis und Ehre in Ewigkeit.
  20. Amen.



Druckversion