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Bekenntnisse | Unterstützung | Literarische Bekenntnisse | Aurelius Augustinus (397-401)

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Aurelius Augustinus (397-401): Confessiones (Auszug)

Jetzt aber, da ein gr?ndes Betrachten aus tief verborgnem Grund mein ganzes Elend vor­gezerrt und vor die Augen meines Herzens mir gestellt, da zog durch meine Seele ein gewal­tger Sturm und f?e Regeng? mit sich unerme?lich reicher Tr?n. Und da?er v?g sich und laut ergie?n k?, stand ich auf und ging, weg von Alypius. Denn besser schien mir jetzt die Einsamkeit zum Werk der Tr?n. Und ich ging weiter weg, bis seine Gegenwart mir nicht mehr l?ig fallen konnte. So war mir's jetzt, und er, er mochte wohl davon etwas erraten haben. Denn einiges glaub ich hatte ich gesprochen, und da klang meine Stimme schon gepre? und tr?nschwer. Und also hatte ich mich nun erhoben. Er aber blieb, wo wir gesessen, in stummem Staunen. Ich aber warf mich nieder unter einem Feigen­baum, ich wei?nicht wie, und lie?die Z? meinen Tr?en, und aus den Augen st?en mir die Str? dir zum lieben Opfer. Und vieles sprach ich zu dir, nicht mit diesen Worten, doch dem Sinne nach: „Und du, o Herr, wie lange noch? Wie lange noch, o Herr? Z?t du bis zum Ende? Ach, denke nicht der alten Missetaten !“ Denn ich f?e, wie noch immer die mich festgebun­den hielten, und laut jam­mernd schrie ich: Wie lange noch? Wie lange noch? Morgen und immer wieder morgen? Warum nicht heute, warum nicht jetzt zu dieser Stunde das Ende mei­ner Schmach?

So sagte ich und weinte in der bittersten Zerknirschung meines Herzens. Und sieh, da h?ch eine Stimme vom Nachbarhaus her?, singenden Tons, die Stimme wie von einem Knaben oder M?hen, die immer wieder rief: Nimm, lies! Nimm, lies! Da ?erte sich meine Miene, ich begann achtsam mich zu besinnen, ob Kinder so etwa bei irgend­einem Spiel zu singen pflegten. Doch ich entsann mich nicht, es je einmal geh?zu haben. Da staute sich der An­sturm meiner Tr?n, und ich stand auf. Ich dachte nichts andres, als da?mir Gott befehle, ein Buch zu ?en und zu lesen, worauf zuerst mein Auge sto?. Denn von Antonius hatte ich geh? da?er durch einen Satz des Evangeliums, auf den er wie durch Zufall stie? sich habe mahnen lassen. Er las: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, und einen Schatz wirst du haben im Himmel. Und komm, folge mir“. Und da?er sich durch dies Orakel alsobald zu dir bekehrt.

So ging ich schnell zum Platz zur? wo noch Alypius sa? Dort hatte ich einen Band, die Briefe des Apostels, liegen lassen, da ich aufgestanden und weggegangen war. Ich griff da­nach, ich ?ete, und schweigend las ich die Stelle, auf die zuerst mein Auge fiel: „Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Zank und Streit, sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer L?.“ Ich wollte nicht weiter lesen und brauchte nicht weiter zu lesen. Denn kaum, da ich den Satz zu Ende gelesen, kam's in mein Herz, ein Licht der Zuver­sicht und der Gewi?eit, und alle Nacht des Zweifels war zerstoben. Ich legte meinen Finger oder irgend sonst ein Zeichen in das Buch, schlo?es, und schon mit v?g ruhiger Miene erz?te ich alles dem Alypius.

Und der, was in ihm vorgegangen und was ich nicht wissen konnte, zeigte mir's also: er wollte sehen, was ich gelesen h?e. Ich zeigte es, er las mit Aufmerksamkeit und weiter noch als ich gelesen hatte, der ich nicht wu?e, was noch folgte. Es folgten die Worte: „Des Schwachen aber im Glauben nehmt euch an“. Dies aber deutete Alypius aut sich und sagte es mir. Und diese Mahnung machte ihn nur st?er noch und fester, und ohne jedes ?stlich wirre Zau­dern trat er nun meinem Vorsatz bei, der gut und rein so ganz zu seinen Sitten pa?e, die schon seit langer Zeit um so viel besser als die meinen waren.

Wir gehen hinein zur Mutter, sagen's ihr; sie freut sich. Wir erz?en, wie alles so gekommen ist, da jubelt sie und triumphiert und pries dich, Gott, „der du mehr tun kannst als wir bitten und verstehen“. Nun sah sie, da?weit mehr du ihr verliehn, als sie f?ich in Tr?njammer und in Kla­gen zu erflehen pflegte. Nun hattest du mich ja zu dir ge­wandt, da?ich kein Weib mehr suchte noch irgendeine Hoffnung dieser Welt. Nun stand ich auf dem Richtscheit deines Glaubens, wie du mich ihr vor vielen fernen Jahren schon im Traum gezeigt. Und hast „in Freuden ihr die Trauer gekehrt,“ viel reicher, als sie selbst gewollt, viel lieber und viel keu­scher noch als die, die sie sich aus den Enkeln, Kindern meines Fleischs, gehofft.


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