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Convenio SEK-IERP

Vereinbarung (Convenio) zwischen dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK und der Iglesia Evangélica del Río de la Plata IERP



Zur Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen dem SEK und der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) hielten sich Thomas Wipf und Serge Fornerod vom 21. bis 28. Februar 2007 in Buenos Aires, Argentinien, auf. Die IERP ist in Argentinien, Paraguay und Uruguay verwurzelt. Die Unterzeichnung des Abkommens ist das Ergebnis eines langen Prozesses und ein weiterer Markstein in den jahrzehntealten Beziehungen zwischen den beiden Kirchen. Dass es diese Beziehungen überhaupt gibt, ist auf die einstige Auswanderungspolitik der Schweiz zurückzuführen.


Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert hinein förderte die Schweiz aktiv die Auswanderung ihrer Bürgerinnen und Bürger nach Lateinamerika. Vor allem in der Folge der beiden Weltkriege und der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre landeten Tausende von Auswanderungswilligen an den Küsten Südamerikas, beispielsweise in Brasilien und in Buenos Aires. Ländereien wurden grosszügig zugeteilt, wobei sorgsam darauf geachtet wurde, protestantische und katholische Einwanderer nicht zu mischen. Der Aufschwung in der Landwirtschaft und in manch anderen wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen hat viel mit der Präsenz dieser Schweizer Bauern zu tun. Die Einwanderer aus der Schweiz liessen sich hauptsächlich in drei Regionen Argentiniens nieder: in Buenos Aires, in der Gegend nördlich der Hauptstadt sowie im Nordosten des Landes, an der Grenze zu Paraguay und Brasilien. Sie lebten Seite an Seite mit Einwanderern aus anderen Ländern, namentlich Deutschen, aber auch Holländern, Nordamerikanern, Schotten, Dänen, Italienern, Polen, Russen oder Armeniern. Mit der Zeit wurden protestantische Kirchen gegründet. Meist lagen diesen Gründungen ethnische oder sprachliche Kriterien zugrunde, war es doch damals Nichtkatholiken untersagt, auf Spanisch zu predigen.

Seit jener Zeit gibt es in Argentinien, Paraguay und Uruguay Schweizer Kirchen. Die protestantische Kirchgemeinde war die Garantin der Identität und der Traditionen, sie war der Ort, wo sich die Familien versammelten und Unterstützung fanden, was insbesondere in schwierigen Jahren überaus wichtig war. Stark zu leiden hatten die Schweizer Einwanderer, wie überhaupt das ganze Land unter der Krise von 2001, als die feste Anbindung des Peso an den Dollar aufgegeben wurde, aber auch unter der Entwertung des Landeswährung und der daraus resultierenden schweren Wirtschaftskrise.

Bereits im 19. Jahrhundert hatten Protestanten – vorwiegend Deutsche – die Evangelische Kirche am La Plata gegründet. Anfänglich hatten sich die Schweizer Kirchgemeinden an diesem Zusammenschluss beteiligt. Doch in der Zeit des Nationalsozialismus gingen sie auf Distanz. Die Schweizer Kirchgemeinde in Buenos Aires entschloss sich schliesslich zu einem Beitritt zur Waldenserkirche in Argentinien, während die in der nordöstlichen Provinz Misiones gelegene Kirchgemeinde mit der Bitte an die Abgeordnetenversammlung des SEK gelangte, als SEK-Mitgliedkirche betrachtet zu werden. Dies wurde ihr auch gewährt. Sie eröffnete eine Schule, die sich gut entwickelte und noch heute der Stolz der Gemeinde ist. Seit vielen Jahren entsendet der SEK einen Pfarrer in diese Kirchgemeinde und während Jahrzehnten hat das HEKS den Ausbau der Schule unterstützt. Seit 1995 ist die Kirchgemeinde von Misiones erneut Mitglied der Evangelischen Kirche am La Plata. Die IERP ist eine unierte Kirche und hat die Leuenberger Konkordie unterzeichnet. Sie zählt rund vierzig Pfarrstellen und fünfundzwanzigtausend Mitglieder. Sie gehört zu den einflussreichen historischen Kirchen in Lateinamerika. Mit dem Theologischen Institut ISEDET kann sie auf eine Bildungsstätte zählen, die in Lateinamerika hohes Ansehen geniesst. Schätzungsweise zwischen 25 und 30 Prozent der Mitglieder dieser Kirche sind schweizerischen Ursprungs. Je nach Ort sind diese Schweizer Wurzeln unterschiedlich lebendig. Schweizerdeutsch hört man allerdings, ausser in Misiones, nur in Ausnahmefällen. Die Schweizer Kirchgemeindemitglieder haben sich zunehmend in die Gesellschaft und in die Evangelische Kirche Argentiniens integriert.

Argentinien weist einundzwanzig protestantische Denominationen auf. Neun von ihnen (Waldenserkirche, Reformierte Kirche, Evangelisch-methodistische Kirche, Lutherische Kirche, Presbyterianische Kirche, Anglikanische Kirche, Vereinigte Evangelisch-lutherische Kirche, Kirche der Jünger Christi und IERP) bilden gemeinsam die Trägerschaft des Theologischen Instituts ISEDET. Fünf dieser Kirchen haben die Leuenberger Konkordie unterzeichnet und bilden die Gemeinschaft reformatorischer Kirchen am La Plata: IERP, Waldenserkirche (italienischen Ursprungs, auch Mitglied der CEVAA – Gemeinschaft der Kirchen in Mission), Vereinigte Evangelisch-lutherische Kirche (nordamerikanischen Ursprungs), Reformierte Kirche (niederländischen Ursprungs) sowie die Evangelisch-methodistische Kirche (nordamerikanischen Ursprungs).

Mit dem zwischen SEK und IERP unterzeichneten Abkommen sollen in erster Linie diese Verbindungen formell anerkannt und die Bedeutung der Geschichte der Schweizer Einwanderer für die IERP unterstrichen werden. Doch stellt das Abkommen diese Verbindungen in den Zusammenhang der modernen Beziehungen zwischen Schwesterkirchen und ist Ausdruck eines weiteren Integrationsschrittes der Schweizer Kirchgemeinden in die protestantische Kirchenlandschaft Argentiniens. Die Beziehung zwischen dem SEK und der Kirchgemeinde von Misiones ist nun Teil eines grösseren Beziehungsnetzes mit Entwicklungspotenzial.

Das Abkommen sieht in mehreren Bereichen eine mögliche Kooperation vor. Dabei geht es um den langfristigen Personalaustausch (die Kirchgemeinde von Misiones braucht noch immer einen Pfarrer aus der Schweiz, denkbar sind aber auch kürzere oder inhaltlich anders fokussierte Aufenthalte). Erwähnt seien zum Beispiel ein besserer Informationsaustausch und die Diskussion gemeinsamer Themen (etwa der im Rahmen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, GEKE, bearbeiteten Themen), die theologische Ausbildung der Pfarrer und deren Weiterbildung oder die Entsendung junger Freiwilliger.

Mit dem Abkommen ergeben sich neue Möglichkeiten des Austauschs hinsichtlich Personen, Themen und Informationen; für die SEK-Mitgliedkirchen eröffnet sich zudem die Perspektive, Pfarrerinnen und Pfarrer, Gruppen oder Freiwillige nach Lateinamerika zu entsenden, wo sie in und mit einer evangelischen Kirche eine einzigartige Erfahrung machen und den dortigen Kirchenalltag von innen her kennen lernen können.

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