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Gustave Flaubert (1857) Madame Bovary, Glaubensbekenntnis des Apothekers Homais
Ich habe eine Religion, meine Religion und mehr vielleicht als die alle zusammen mit ihrem Possenkram und Firlefanz! Ich verehre Gott ganz gewiss! Ich glaube an ein höchstes Wesen, an einen Schöpfer, mag er sein, wie er will, es kümmert mich wenig, wer uns hier in diese Welt gesetzt hat, damit wir unsere Pflichten als Bürger und Familienväter erfüllen; aber dazu habe ich nicht nötig, in eine Kirche zu laufen und silberne Geräte zu küssen und aus meiner Tasche eine Bande Betrüger zu mästen, die besser leben als wir! Den Herrgott kann man ebensogut draussen in Wald und Feld ehren oder in Betrachtung des Himmelsgewölbes, wie es die Alten taten. Mein Gott ist der Gott von Sokrates, Franklin, Voltaire und Béranger! Ich bin für das „Glaubensbekenntnis eines savoyardischen Vikars“ (Rousseau 1762) und für die unsterblichen Grundsätze von 1789! Nur den „lieben“ Gott lass ich nicht gelten, der mit dem Stock in der Hand in seinem Himmelsgarten spazierengeht und seine guten Freunde in Walfischbäuchen hausen lässt oder mit einem Schrei stirbt und nach drei Tagen wieder aufersteht – das ist lauter Unsinn und widerspricht allen Naturgesetzen, und man sieht daraus nur wieder einmal, dass die Priester seit jeher in einer schmachvollen Unwissenheit gesteckt haben, in die sie die Völker mit aller Gewalt auch hineinziehen wollen.Version imprimée



